All Inclusive ist ein Versprechen ohne Norm
Der Begriff „All Inclusive“ ist nicht einheitlich definiert. Silversea verkauft zwei Tarife mit diesem Namen, die sich beim Landprogramm und bei der Anzahlung unterscheiden; Hapag-Lloyd Cruises verkauft stattdessen die Tarife PLATIN und SILBER mit gleichen Leistungen an Bord. Sieben Posten, an denen Sie Luxustarife wirklich vergleichen können.
Bei Explora Journeys stehen am Anreisetag eine Flasche Wein und eine Flasche Spirituosen in der Suite, Champagner zur Begrüßung inklusive; WLAN und Trinkgelder sind im Preis. Wer am dritten Tag an Land eine geführte Tour möchte, zahlt sie extra, ebenso das Degustationsmenü im Anthology. Regent ist dafür an Land großzügig: Die Reederei nennt Ausflüge in jedem Hafen ohne Mengenbegrenzung. Beide schließen Getränke, WLAN und Trinkgelder ein, und doch rechnet sich jedes Konzept für andere Gäste.
Für den Vergleich zählt deshalb nicht die Überschrift, sondern die Liste: Getränke, Restaurants, WLAN, Trinkgelder, Ausflüge, Flüge, Butler. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt diese sieben Posten für 13 Reedereien, jeweils mit Quelle und Stand.
Getränke: Die Unterschiede beginnen beim Glas
Wein und Spirituosen ohne Aufpreis nennen Explora, Silversea, Regent, Seabourn, Crystal, Scenic und PONANT – jeweils mit Ausnahmen für seltene Weine, bestimmte Champagner oder Premium-Marken, die auf eigenen Karten stehen. SeaDream nennt eine Open Bar mit ausgewählten Premium-Marken.
Enger gefasst ist das Angebot bei Sea Cloud (Wein und Bier zu den Mahlzeiten, alle Softgetränke) und bei Hapag-Lloyd Cruises: Dort sind ausgewählte Softdrinks, Kaffee- und Teespezialitäten, auf EUROPA und EUROPA 2 eine Minibar mit Softdrinks und Bier, auf den HANSEATIC-Schiffen mit alkoholfreien Getränken enthalten; Spirituosen gibt es in der Minibar erst in höheren Suiten. Für alles Weitere bietet die Reederei ein Getränkepaket an, laut FAQ für 44 € pro Person und Tag (Stand 27. September 2026). Oceania lässt Gäste wählen: Bier und Wein zu den Mahlzeiten oder ein Ausflugsguthaben.
Restaurants: Nicht jedes Menü ist im Preis
Seabourn und Scenic nennen alle Restaurants inklusive, Regent die Spezialitätenrestaurants. Explora schließt neun kulinarische Erlebnisse ein, berechnet aber Anthology, Chef’s Kitchen und Chef’s Table extra. Bei Silversea kosten die Abendessen im La Dame, im Kaiseki und im Seishin Aufpreis. Crystal nennt für das Nobu-Restaurant Umi Uma mindestens eine inkludierte Reservierung.
Wer Wert auf ein bestimmtes Restaurant legt, fragt vor der Buchung nach Aufpreis und Reservierungsfrist. Bei Explora etwa können Gäste der Penthouse-Suiten 90 statt 75 Tage vor der Reise reservieren.
WLAN und Trinkgeld: kleine Posten, lange Reisen
Unbegrenztes WLAN schließen Explora, Regent, Crystal und Oceania ein, Scenic und PONANT nennen kostenloses WLAN mit Einschränkungen in entlegenen Regionen. Silversea und Seabourn geben ein Standardpaket, Streaming gibt es gegen Aufpreis oder ab höheren Suiten. Hapag-Lloyd Cruises schließt eine Stunde pro Gast und Tag ein, Sea Cloud 10 GB, SeaDream berechnet WLAN extra.
Bei Trinkgeldern ist die Spanne ähnlich groß. Explora, Silversea, Regent, Crystal, Scenic, Sea Cloud, SeaDream, Swan Hellenic und Oceania schließen sie ein; Seabourn schreibt, Trinkgeld werde weder verlangt noch erwartet. Bei Hapag-Lloyd Cruises ist es freiwillig. PONANT nennt als durchschnittliches Trinkgeld 10 bis 12 € pro Tag und Gast. Für zwei Personen und zehn berechnete Tage sind das 200 bis 240 €, die zum Reisepreis dazukommen können.
Ausflüge und Flüge: Hier liegen die großen Beträge
Den größten Unterschied machen die Leistungen an Land. Regent nennt unbegrenzte Ausflüge in jedem Hafen, besondere „Regent Choice“-Touren kosten extra. Scenic schließt seine Discovery- und Freechoice-Ausflüge ein, PONANT einen Ausflug pro Tag und Hafen, Swan Hellenic einen je Hafen und alle Expeditionsanlandungen. Bei Silversea gibt es ein Guthaben für das Landprogramm nur im Tarif All-Inclusive Plus; im Tarif All-Inclusive ist die Anzahlung zudem nicht erstattbar.
Flüge sind selten im Grundpreis. Regent schließt sie laut Muttergesellschaft im Tarif Ultimate All-Inclusive ein, Swan Hellenic im Tarif Kreuzfahrt Plus als Charterflug zum Einschiffungshafen, PONANT nur bei Reisen mit der Kennzeichnung „Paket inklusive“. Scenic nennt Flughafentransfers am An- und Abreisetag.
So rechnen Sie zwei Angebote gegeneinander
Ein Luxustarif, der viel einschließt, wirkt auf den ersten Blick teurer als ein Premiumpreis, der wenig einschließt. Vergleichbar werden beide erst, wenn Sie zum Premiumpreis addieren, was dort extra kostet:
- Trinkgeld: Personen × berechnete Tage × Tagessatz. NCL berechnet bis zur Club Balcony Suite 20 US-$ pro Person und Tag – für zwei Personen und zehn Tage 400 US-$ (Stand 27. September 2026).
- Aufschläge: NCL und Celebrity berechnen auf Getränke, Spa und Spezialitätenrestaurants zusätzlich 20 % Trinkgeld.
- Getränke- und Internetpakete: Mehrere Reedereien, etwa TUI Cruises bei Mein Schiff, zeigen die Preise erst reisebezogen im Kundenportal oder in der Buchungsstrecke. Lassen Sie sie sich für die konkrete Reise nennen.
- Ausflüge: Setzen Sie für jeden Hafen, den Sie geführt erleben möchten, einen Ausflug an – außer die Reederei schließt ihn ein.
Passt das zu Ihnen?
Das passt, wenn …
- Sie wollen an Bord nicht rechnen: Getränke, Trinkgeld und WLAN sollen einfach dazugehören.
- Sie nutzen viele Häfen für geführte Ausflüge – dann zählen Regent, Scenic und PONANT besonders.
Weniger passend, wenn …
- Sie trinken wenig Alkohol und gehen lieber auf eigene Faust an Land – dann zahlen Sie im Inklusivtarif für Leistungen, die Sie nicht nutzen.
- Sie wollen Deutsch an Bord: Die umfassendsten Inklusivkonzepte kommen von internationalen Reedereien.
