Das Schiff entscheidet, was Sie an Land sehen
Wie oft Sie in der Antarktis an Land gehen, hängt vor allem von der Gästezahl ab – und von Wetter und Eis. Nach den Regeln, die IAATO-Mitglieder anwenden, setzen Schiffe mit mehr als 500 Passagieren dort niemanden ab. Wie Polarklasse, Regeln und Inklusivleistungen zusammenhängen.
In der Saison 2025/26 gingen auf der Antarktischen Halbinsel 85.195 Passagiere an Land, auf 539 Reisen mit 47 Schiffen – alle bei Mitgliedern des Branchenverbands IAATO. Die Regeln dafür sind streng. Eine Maßnahme der Antarktisvertragsstaaten von 2009 sieht vor: keine Anlandungen von Schiffen mit mehr als 500 Passagieren, höchstens 100 Passagiere zugleich an einer Stelle, mindestens ein Guide auf 20 Passagiere. In Kraft ist sie noch nicht, weil nicht alle Konsultativparteien sie genehmigt haben. Die 500er-Grenze wenden IAATO und die Vertragsparteien nach Angabe der IAATO trotzdem an.
Für die Wahl des Schiffs heißt das: Je mehr Gäste an Bord sind, desto mehr Gruppen müssen nacheinander an Land. Hapag-Lloyd Cruises und Scenic nehmen in der Antarktis höchstens 199 bzw. 200 Gäste an Bord. Die Expeditionsschiffe unserer Auswahl nehmen höchstens 274 Gäste auf.
Polarklasse PC 6 heißt nicht Eisbrecher
Die Polarklassen der Klassifikationsgesellschaften reichen von PC 1 (ganzjährig in allen Polargewässern) bis PC 7. Ein Schiff der Klasse PC 6 ist für den Sommer- und Herbstbetrieb in mittlerem einjährigem Eis ausgelegt. Diese Klasse nennen Hapag-Lloyd Cruises für die HANSEATIC-Schiffe, Seabourn für Venture und Pursuit, Silversea für die Silver Endeavour und Scenic für die Eclipse. Swan Hellenic gibt für seine Schiffe PC 5 bzw. PC 6 an.
PONANTs Le Commandant Charcot ist nach Angabe der Reederei in PC 2 eingestuft, ganzjährig in mäßigem mehrjährigem Eis, und damit das Schiff mit der höchsten angegebenen Polarklasse in unserer Auswahl. Über Komfort sagt die Polarklasse nichts: Sie beschreibt den Rumpf, nicht das Verhalten bei Seegang in der Drake-Passage und nicht die Suite.
Drake-Passage oder Flug: zwei Wege in die Antarktis
Die meisten Reisen zur Antarktischen Halbinsel beginnen laut IAATO in Ushuaia, Punta Arenas oder Montevideo und führen über die Drake-Passage, oft verbunden mit den Falklandinseln und Südgeorgien. Die Alternative ist die Fly-Cruise: Silversea fliegt Gäste per Charter nach King George Island und lässt die Drake-Passage aus.
Der Flug spart Seetage, hängt aber vom Flugwetter ab; die Seeroute kostet Zeit, ist aber an kein Flugfenster gebunden. Rund 98 % aller touristischen Schiffsreisen führen nach Angaben des Antarktisvertragssekretariats zur Antarktischen Halbinsel, und zwar im Südsommer von Oktober bis April.
Spitzbergen: In den Schutzgebieten zählt die Gästezahl
Seit dem 1. Januar 2025 gelten auf Spitzbergen strengere Umweltregeln der norwegischen Regierung, über die der Gouverneur (Sysselmesteren) wacht. In Schutzgebieten sind touristische Anlandungen nur noch an 43 festgelegten Stellen erlaubt. In den Nationalparks – nach einer früheren Mitteilung der Behörde in allen Schutzgebieten – dürfen Schiffe höchstens 200 Passagiere an Bord haben. Zu Eisbären ist mindestens 300 Meter Abstand vorgeschrieben, vom 1. März bis 30. Juni 500 Meter.
Hapag-Lloyd Cruises nimmt bei der Spitzbergen-Umrundung höchstens 199 Gäste an Bord. Außerhalb von Siedlungen sieht der Branchenverband AECO höchstens 100 Gäste gleichzeitig an einem Ort vor und einen Guide auf 20 Gäste. Der Polarsommer auf Spitzbergen reicht nach Visit Svalbard vom 17. Mai bis 30. September, die Mitternachtssonne bis zum 23. August.
Galápagos: Die Regeln gelten ab dem ersten Schritt
Silversea setzt auf Galápagos die Silver Origin ein, ein Expeditionsschiff für 100 Gäste, das nur dort fährt. Der Nationalpark verlangt zwei Meter Abstand zu allen Tieren, Besuche nur mit spezialisiertem Guide und verbietet Drohnen. Ausländische Touristen über 12 Jahre zahlen eine Eintrittsabgabe von 200 US-$, unter 12 Jahren 100 US-$, Kinder unter 2 Jahren nichts; für Staatsangehörige der Andengemeinschaft und des Mercosur gelten niedrigere Sätze (Stand 2025).
Was auf Expeditionen im Preis steckt
Bei allen Expeditionsreedereien unserer Auswahl sind die Zodiac-Anlandungen im Reisepreis enthalten. Hapag-Lloyd Cruises schließt alle Zodiac-Fahrten und Anlandungen ein, dazu Leih-Parka, Gummistiefel und Fernglas. Seabourn nennt auf Expeditionen inklusive Erlebnisse in jedem Hafen, geführte Kajaktouren kosten extra. PONANT schenkt Gästen auf Polarreisen einen Parka, Swan Hellenic schließt alle Expeditionsanlandungen und einen Ausflug je Hafen ein. Silversea verkauft Expeditionen im Tarif All-Inclusive Plus, der alle Anlandungen und das volle Landprogramm einschließt.
Seit die Vogelgrippe H5N1 im Februar 2024 in der Antarktis bestätigt wurde, arbeiten die IAATO-Mitglieder mit einem Schutzprotokoll: Kleidung und Ausrüstung werden vor der Anlandung gereinigt, in Tierbereichen setzt sich niemand hin, Stellen mit bekannten Fällen werden gemieden. Auch das kann den Tagesplan ändern.
Passt das zu Ihnen?
Das passt, wenn …
- Sie wollen an Land gehen, nicht nur vorbeifahren.
- Flexibilität ist für Sie Teil des Abenteuers.
- Sie schätzen Vorträge und ein Expeditionsteam an Bord.
Weniger passend, wenn …
- Sie brauchen einen festen Tagesplan.
- Zodiac-Ein- und -Ausstiege sind für Sie schwierig.
- Kleine Kinder reisen mit: Hapag-Lloyd Cruises, PONANT und Swan Hellenic nehmen auf Expeditionen Kinder ab 6 Jahren mit, PONANT auf der Le Commandant Charcot erst ab 8; Silversea ab 5.
